Lehrstuhl für Anatomie, Histologie und Embryologie
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Prof. Dr. Cordula Poulsen NautrupProf. Dr. Cordula Poulsen Nautrup

* 4. April 1957

† 20. Juli 2017

 

Wir trauern um Frau Professor Dr. Cordula Poulsen Nautrup, die vollkommen unerwartet am 20. Juli 2017 im Alter von 60 Jahren verstarb.

Der Lehrstuhl für Anatomie, Histologie und Embryologie hat mit Professor Poulsen Nautrup eine allseits geschätzte, vielseitige und respektierte Kollegin, Professorin, Dozentin und Wissenschaftlerin viel zu früh verloren.

Sie studierte an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, erlangte die Approbation 1982 und promovierte am Anatomischen Institut der Tierärztlichen Hochschule Hannover mit dem Dissertationsthema „Makroskopisch anatomische und röntgenologische Befunde an den Halswirbeln von Weißen Neuseeländer Kaninchen (Oryctolagus cuniculus f. domestica) während der postnatalen Entwicklung, unter Berücksichtigung der Nomenklatur“ im Jahr 1985.

Dort am Anatomischen Institut arbeitete sie 6 Jahre lang als wissenschaftliche Angestellte im Bereich angewandte Anatomie und Embryologie, bevor sie bei der Firma FEINFOCUS Röntgen-Systeme als Produktmanagerin angestellt war.

Anschließend wechselte sie ihr Tätigkeitsfeld und arbeitete im Zentrum Anatomie der Medizinischen Hochschule Hannover in der Abteilung funktionelle und angewandte Anatomie.

Sie kehrte 1992 an das Anatomische Institut der Tierärztlichen Hochschule Hannover zurück und erwarb 1993 den Fachtierarzt für Anatomie. Außerdem führte sie die Zusatzbezeichnung Kleintierkardiologie.

Professor Poulsen Nautrup wurde 1997 auf eine C3-Professur für angewandte Anatomie am Lehrstuhl für Anatomie, Histologie und Embryologie der Tierärztlichen Fakultät der LMU München berufen, wo sie bis zu ihrem Tod tätig war.

Da ihr die Frauenförderung und Gleichstellung stets ein großes Anliegen war, trat sie zielstrebig und beharrlich für die Belange von Frauen ein, von 2002 bis 2016 auf fakultärer Ebenen als (stellvertretende) Frauenbeauftragte, seit 2013 sogar als stellvertretende Universitätsfrauenbeauftragte. Von 2015 an setzte sie sich als Mentorin im Mentoringprogramm für Nachwuchswissenschaftlerinnen ein.

Als engagierte Hochschullehrerin lag ihr stets sehr viel daran, Wissen und Fertigkeiten zu vermitteln. Dies galt nicht nur für das Gebiet der Tieranatomie, sondern in ganz besonderem Maße auch für den klinisch wichtigen Bereich Röntgenanatomie und Ultraschall.

In ihrem Fachgebiet der Kleintierkardiologie und dem Herzultraschall war Professor Poulsen Nautrup eine Koryphäe und Vorbild für viele. Als eine Pionierin begann sie vor 30 Jahren mit der Sonographie und der Echokardiographie bei Tieren. Auch die Auskultation und die Elektrokardiographie (EKG) gehörten zu ihrem Spezialgebiet. So ist es nicht verwunderlich, dass sie ein geschätztes Mitglied im Collegium Cardiologicum war.

Das für die Studierenden wohl bedeutendste Projekt, das von ihr realisiert wurde, ist das im deutschsprachigen Raum in dieser Form einzigartige Ultraschalllabor für Studierende. Dort kann seit dem Jahr 2008 die abdominale Ultraschalluntersuchung und die Echokardiographie unter der Anleitung von klinisch erfahrenen, speziell geschulten Tierärzten an lebenden Tieren und auch am weltweit ersten Herzultraschall-Simulator für Katzen erlernt und geübt werden. Es gelang ihr, durch ihr unermüdliches Engagement das Ultraschalllabor über die letzten 10 Jahre hinweg erfolgreich und dauerhaft zu etablieren.

Sie entwickelte – oft auch in Kooperation mit ihren Doktoranden und Doktorandinnen – verschiedenste Lernprogramme und Lehrmedien wie zum Beispiel das Ultraschalllehrprogramm SonoBasics, die Katzenherz Interaktiv – App und Phono Basics.

Professor Poulsen Nautrups letztes Projekt war im August 2016 die Etablierung des 3D-Druckes am Lehrstuhl, um für die Studierenden anatomisch korrekte Präparate ausdrucken zu können. Es ist uns ein großes Anliegen, dass die von ihr ins Leben gerufenen vielfältigen Projekte weiterbestehen und in ihrem Sinne fortgeführt und vertieft werden. Ihr unermüdliches Engagement, ihre einzigartigen Ideen und die oft unkonventionelle Umsetzung werden uns Vorbild und steter Ansporn sein.

Johann Maierl, Elisabeth Zandt, Stefanie Weber, Inga Wölfel, Sven Reese
im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Lehrstuhls